Der Bürger als Edelmann

 

Von Molière in der Bearbeitung von Folke Braband

Eine Kooperation zwischen dem Schlosspark Theater Berlin und dem Ernst Deutsch Theater Hamburg

Tanz- und Fechtchoreographie:
Klaus Abromeit

Regie: Folke Braband
Musikal. Leitung: Felix Huber
Bühne: Stephan Dietrich
Kostüme: Stephan Dietrich
Mit: Dieter Hallervorden, Dagmar Biener, Philipp Sonntag, Harald Effenberg, Anne Rathsfeld, Anja Boche, Oliver Dupont, Oliver Nitsche

Tickets für diese Veranstaltung über die EVENTIM Saalplanbuchung bestellen (zzgl. 3 €/Karte).

Termine

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Inhalt:
Monsieur Jourdain, ein ebenso reicher, wie einfacher Bürger, ist vernarrt in die Idee, in den Adelsstand aufzusteigen. Um gesellschaftliche Anerkennung in den höchsten Kreisen zu erreichen und den Bürger zum Edelmann zu erziehen, scheut er weder Mühen noch Kosten und engagiert neben einem Musiklehrer auch einen Tanzlehrer, einen Fechtmeister, einen Schneider und sogar einen Philosophen. Monsieur Jourdain vertraut dabei ganz auf die Ratschläge des scheinheiligen Grafen Dorante. Als er diesem aus Dankbarkeit für die Vermittlung eines Rendezvous mit einer von ihm angebeteten Marquise sogar die Hand seiner Tochter verspricht, hilft nur noch eine von Molière meisterhaft erdachte Wendung...


Foto: DERDEHMEL/Urbschat

„Der Bürger als Edelmann“ (Originaltitel: „Le Bourgeois gentilhomme“) wurde 1670 am Hofe des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. uraufgeführt.

Ein besonderes historisches Ereignis bildet die Grundlage zum „Bürger als Edelmann“. Nach einem misslungenen Treffen Ludwigs XIV. mit dem Abgesandten des Sultans 1669 war das Klima zwischen Frankreich und dem Osmanischen Reich deutlich abgekühlt. Der verärgerte Sonnenkönig erteilte an Molière den Auftrag, ein Stück zu schreiben und sich ganz explizit in einer Szene über das Osmanische Reich und deren Sitten lustig zu machen. Als er bei der Uraufführung jedoch die sogenannte „Mamamutschi-Szene“ (cérémonie turque) sah, war er über das Ergebnis nicht wirklich amüsiert. Zeigt diese Szene doch einen französischen Protagonisten, der auf eben diese orientalischen Sitten hereinfällt. Ob von Moliere beabsichtigt oder nicht, darüber streiten bis heute die Gelehrten...


Foto: DERDEHMEL/Urbschat

Mit Charakteren, von denen jeder Einzelne auf sein eigenes Wohl bedacht ist – und danach ebenso eigenwillig handelt – kreiert Folke Braband ein Spiegelbild der französischen Hypokrisie zu Molières Zeiten, das auch heute noch den Wahn von Ruhm, Ehre und Ansehen aufdecken und entlarven kann.

Das Schlosspark Theater präsentiert den „Bürger als Edelmann“ in einem Barockbühnen- und Kostümbild.

Molière
Molière, mit bürgerlichem Namen Jean-Baptiste Poquelin (vermutlich 1622 – 1673), war ein französischer Schauspieler, Theaterdirektor und Dramatiker. Er gilt als der populärste und meistgespielte Komödiendichter der französischen Klassik.

Mit seinen unzähligen Stücken, die seit 1665 am Hof des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. uraufgeführt wurden, trug Molière dazu bei, dass die Komödie der Tragödie gleichgestellt wurde. Immer wieder geht es in Molières Theaterstücken um gesellschaftskritische Themen wie religiöse Heuchelei, Bigotterie, Angeberei und überzogene Etikette, die er geschickt verpackt zur Zielscheibe des Spotts machte.

Aus seiner Theatertruppe entwickelte sich ab 1680 die „Comédie Française“, das französische Nationaltheater.

„Molière hatte Corneille, Racine und La Fontaine das Verdienst voraus, Philosoph zu sein.“ (Voltaire)

„Gerne betrachtet er diese jämmerliche Menschheit als ein altes, unheilbares Kind, das man aufrichten und besonders dadurch trösten muss, daß man es unterhält.“ (Charles-Augustin Sainte-Beuve, Molières Biograph)

„Molière hat den Menschen wie ein Insekt auf eine Nadel gesteckt und mit einer feinen Pinzette seine Reflexe gereizt. Und der Insektenmensch zeigt nun einen, immer denselben Reflex, den, der bei der geringsten Berührung seine Scheren zusammenzucken lässt: den Egoismus!“ (Jean Anouilh)