Die Vernissage

 

Regie: Adelheid Müther
Bühne: Doris Engel
Kostüme: Marie-Therese Cramer
Mit: Susanne Gärtner, Marcus Bluhm, Theresa Hübchen, Harald Effenberg

Termine

Für dieses Programm sind derzeit noch keine weiteren Aufführungen geplant.

von Donald Margulies - Deutsch von Bernd Samland


Foto: DERDEHMEL

Jonathan Waxman, Maler und Jude aus New York, kommt zur ersten umfassenden Retrospektive seines Werks in Europa nach London.
Von dort aus macht er per Auto einen Abstecher aufs Land nach Norfolk, wo seine New Yorker Jugendliebe Patricia inzwischen heimisch geworden ist - im Beruf als Archäologin und privat in der Ehe mit Nick. Jonathan und Patricia haben sich seit ihrer Trennung nicht mehr gesehen. Gemeinsam haben Nick und Patricia gerade erst eine römische Latrine ausgegraben, eine kleine archäologische Sensation. Aber was ist das schon gegen den weltberühmten, provokanten und umstrittenen Maler Waxman.

Es entfaltet sich ein atemberaubender Diskurs über den Stellenwert von Kunst und Künstlern im heutigen Kulturbetrieb und im Alltag. Was zum Teufel ist eigentlich Kunst? Landen nicht fast alle provokanten Künstler früher oder später im Mainstream, auf der Jagd nach Geld und Ruhm?

Donald Margulies beschreibt in DIE VERNISSAGE kaleidoskopisch und facettenreich ein Künstlerleben in der heutigen Zeit, zwischen Selbstverwirklichung und PR-Hype.

Pressestimmen:

Man kann es halt nicht jedem recht machen: Am Ende der letzten Szene entrang sich einer männlichen Kehle im Saal ein deutlich enttäuschtes "Oh". Warum? Weil das Licht gerade da verlosch, als sich die Hauptdarstellerin die Bluse öffnete. Der begeisterte Schlussapplaus jenseits einer Premieren-Routine bewies, dass es sich um einen Einzelfall handelte: Mit "Die Vernissage" ist dem Schlossparktheater ein kleiner Coup gelungen.

Ein gefundenes Schauspieler-Fressen: Marcus Bluhm muss nach Stationen zwischen Freier Volksbühne und Wiener Burg niemandem mehr etwas beweisen. Cool und lässig prallt sein Jonathan im Landhaus gegen Harald Effenbergs kauzigen Nick, der die Renaissance als einzig wahre Kunstepoche gelten lässt. Mit intellektueller Blasiertheit droht er auch an Theresa Hübchens deutscher Journalistin Grete zu scheitern, die als belesene, aber unsensible Nervbacke einen Sinn für wunde Punkte entwickelt. Eine rührende, jugendliche Verletzlichkeit entwickelt Bluhms Jonathan als junger Mann, mit langem Haar und Kippa auf dem Kopf, kurz nach dem Tod seiner Mutter: Wenn er nach der Trennung von Susanne Gärtners nervtötender Patricia in Tränen ausbricht, bleibt offen, um wen er weint: um sie? Seine Mutter? Das Ende seiner Unschuld? Am Ende bleibt nach allen Volten, Brüchen und Gelächter eine lebensnahe Melancholie.
(Berliner Morgenpost)

---

Der Premierenabend am Donnerstag ließ Schlimmes erahnen.

Der Ort: das eher dem Boulevard geneigte Schlosspark Theater.
Das Stück: vermutlich ein Abklatsch des Blockbusters „Kunst“.

Doch „Die Vernissage“ von Donald Margulies über den Stellenwert von Kunst und unerfüllte Lebensträume war intelligent UND unterhaltsam. Hauptdarstellerin Susanne Gärtner (36, bekannt aus „Julia – Wege zum Glück“, ZDF) zeigte echte Tränen. Ihre Mitspieler Marcus Bluhm (44) als Künstler und Harald Effenberg (53) als dröger Ehemann liefern sich wort- und witzgewaltige Gefechte.
Eine echte Theaterüberraschung im bürgerlichen Süd-Berlin.

Wertung: 5 Sterne!
(Bild)

---

Der amerikanische Dramatiker Donald Margulies – unlängst noch am Broadway mit dem Kriegsreporter-Drama „Time Stands Still“ erfolgreich – hat sich in seinem schon älteren Durchbruchsstück „Sight Unseen“ (zu Deutsch: „Die Vernissage“) nicht eben wenig an Motivverquickung vorgenommen. Kunstblase und Selbstvermarktungsdruck, Musentum und Liebesflucht, das spielt hier alles zusammen und wird im Sprung zwischen Gegenwart und Vergangenheit verhandelt. Entsprechend dialoggeschliffen zieht Regisseurin Adelheid Müther die „Vernissage“ am Schlossparktheater auf. Bruchlose Unterhaltung, gut gespielt.

Harald Effenberg vor allem gefällt als zugeknöpfter Sarkast Nick, der im Duell mit dem Nebenbuhler auf Besuch fiese Spitzen zu setzen weiß. Susanne Gärtner trotzt dem Part der verletzten Ex-Künstler-Geliebten Patricia, die sich in die Vernunft-Ehe ergeben hat, Momente von Selbstbewusstsein ab. Und Marcus Bluhm spielt den New Yorker Erfolgs-Maler mit erster Werkschau in Europa überzeugend als Ungreifbaren, der zwischen Schuldbekenntnis und Selbstsucht laviert. Wobei das Stück ihn vor allem in den Kunstdebatten nicht besonders gut wegkommen, sondern phrasendreschend vor dem eigenen Werk kapitulieren lässt, das nicht erklärbar sei, sondern den Betrachter zum Nachdenken bringen solle – hört, hört.
(Tagesspiegel)